Kontaktarmer Osterurlaub wäre angemessen gewesen
Auch Opposition ist in der Verantwortung
Die Ministerpräsidentenkonferenz in dieser Woche habe – wie so oft während der Corona-Pandemie – vor schwierigen Abwägungsproblemen gestanden - und bei der geplanten 5-tägigen Osterruhe sei diese Abwägung nachts um 2 Uhr gründlich schiefgegangen. Dennoch sei es ja grundsätzlich keine verkehrte Idee gewesen, das dynamische Infektionsgeschehen dadurch zu brechen, dass für einen begrenzten Zeitraum die Kontakte möglichst auf null reduziert würden.
Die Rücknahme des Beschlusses sollte aber kein Grund für Häme oder Schuldzuweisungen sein, vor allem nicht, weil die Corona-Lage natürlich weiterhin kritisch bleibe. Bundesweit stiegen die Corona-Zahlen stark an, man befinde sich mitten in der dritten Welle, und von Seiten des Robert-Koch-Institutes aber auch anderer führender Virologen würden für die Zeit nach Ostern neue Rekordwerte an Infektionszahlen prognostiziert werden.
In dieser schwierigen Situation sei ein gesellschaftlicher Konsens über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie leider immer weniger erkennbar, so Koch.
„In einer solchen Situation trifft jede Entscheidung der Politik auf Kritik, entweder von der einen oder von der anderen Seite“, so der Fraktionsvorsitzende, der nun die Opposition ins Visier nahm:
„Kritik zu üben ist dabei immer leicht. Kein Kritiker muss unter Beweis stellen, wie er selbst diese Entscheidungen in Regierungsverantwortung getroffen hätte. Und kein Kritiker steht vor der Herausforderung, eine gemeinsame Linie zwischen Bundesregierung, 16 Ministerpräsidenten und 10 verschiedenen Koalitionsvarianten auf Länderebene auszuhandeln.“
Doch: Allein mit Kritik würde man der politischen Verantwortung nicht gerecht. Gerade der Oppositionsführer habe das verantwortungsvolle Handeln der Opposition in dieser Hinsicht immer wieder betont.
„Wenn dann die MPK Anfang März einen Stufenplan verabschiedet, wie wir ihn aus Schleswig-Holstein lange vorher gefordert hatten, der bei einer Inzidenz unter 50 die Öffnung des Einzelhandels vorsieht, dann war es absolut konsequent und richtig, dieses 1:1 in Schleswig-Holstein umzusetzen und von der Öffnung des Einzelhandels Gebrauch zu machen. Diese Entscheidung dann zu kritisieren, Herr Dr. Stegner, führt jeden Stufenplan und jede Inzidenzampel ad absurdum. Das Wesensmerkmal einer Inzidenzampel ist es doch gerade, dass nicht die Maßnahmen überall gleich sein müssen, sondern die Kriterien, nach denen diese Entscheidungen getroffen werden!“
Wenn Scholz und Tschentscher jetzt behaupteten, die Öffnung des Einzelhandels in Schleswig-Holstein sei die Ursache für den Anstieg der Infektionen in Hamburg, sei das vollkommen absurd. Die Infektionszahlen hätten bei dieser Argumentation in Schleswig-Holstein viel stärker steigen müssen als in Hamburg, denn schließlich seien hier nicht nur der Einzelhandel, sondern auch die Schulen schon seit Februar geöffnet.
Dass es der Landesregierung nicht um eine einseitige Öffnungspolitik gehe, habe sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt: In Flensburg sei entschieden eingegriffen worden, noch bevor die Inzidenz die Hotspot-Marke von 200 überhaupt erreicht hatte. Im Kreis Segeberg sei man in den Klassen 1 bis 6 schon zum Wechselunterricht zurückgekehrt, als die Inzidenz noch unter 100 gelegen habe, sich aber eine Häufung von Fällen an Kitas und Schulen zeigte. Und in dem Augenblick, als die Inzidenz landesweit über 50 gestiegen sei, habe der geöffnete Einzelhandel wieder in allen Kreisen auf Click & Meet umgestellt.
„Und das ist auch genau die Vorgehensweise, mit der der Kollege Stegner seinen Vorschlag für eine Inzidenzampel hier schon im Dezember letzten Jahres begründet hatte. Ich zitiere aus dem Plenarprotokoll vom 21.12.2020:
„Es braucht aus unserer Sicht eine verbindliche Inzidenzampel, die klar vorgibt, ab welchen Infektionszahlen eine bestimmte Maßnahme greift und auch wieder gelockert wird. Das gibt den Menschen im Land eine Perspektive, bietet Raum für regionale Unterschiede und schafft Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Effektivität.“
Von Verbindlichkeit und regionalen Unterschieden will der Herr Oppositionsführer jetzt, wo es darauf ankommt, aber nichts mehr wissen. In der Theorie ist der Kollege Stegner immer spitzenmäßig. In der Praxis würde er aber bei jeder Fahrprüfung durchfallen, wenn er an der grünen Ampel in Schleswig-Holstein stehen bleibt, nur weil die Ampel in Hamburg noch auf gelb steht“, so Koch.
Genau so widersprüchlich wie beim Einzelhandel sei das Agieren der SPD auch beim Tourismus über die Osterfeiertage. In der Sondersitzung des Landtages vom 4. März vom Kollegen Vogt auf die Bedeutung des Tourismus für unser Bundesland und die rund 160.000 Beschäftigten angesprochen, habe sich der SPD-Fraktionsvorsitzende noch als Tourismusunterstützer gegeben, der einen Osterurlaub in Schleswig-Holstein befürworte.
Zitat Ralf Stegner aus dem Plenarprotokoll vom 4. März 2021: „Ich will ausdrücklich sagen, dass auch wir uns das wünschen.“
Und Ralf Stegner sei sogar noch weiter gegangen: Wenn im Plenum die Hoffnung geäußert worden sei, ab dem 1. April könne Schleswig-Holstein das Ziel von Osterurlaubern aus dem ganzen Bundesgebiet werden, habe Stegner dazu gesagt: „Wir wünschen uns das“. Deshalb habe er den Ministerpräsidenten für den in der Vereinbarung enthaltenen Appell kritisiert, auf nicht zwingend notwendige Reisen zu verzichten.
Die SPD spreche von Zaudern, Zögern und Taktieren. Im Falle einer erfolgreich verhandelten Öffnungsklausel für den Tourismus über Ostern hätte die SPD das als unverantwortliches Infektionsrisiko gebrandmarkt und dem Ministerpräsidenten dafür massive Vorwürfe gemacht. Doch den umgekehrten Fall hätte man heute erlebt: Die SPD kritisiere, dass der Ministerpräsident falsche Erwartungen geweckt und mit seinem Einsatz für den Osterurlaub gescheitert sei. So einfach lasse sich der Spieß umdrehen, wenn man nichts anderes mache als zu kritisieren - eine perfide Strategie, die die SPD hier verfolge. Von verantwortungsvollem und erst recht von gemeinschaftlichem Handeln in der Krise sei da nicht viel übriggeblieben.
Das gelte umso mehr, wenn man sich anschaue, wer an der Seite Schleswig-Holsteins für den Osterurlaub gekämpft habe: Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz, alles Bundesländer, in denen die SPD an der Regierung beteiligt sei.
Koch verteidigte den schleswig-holsteinischen Vorschlag: Ein kontaktarmer Osterurlaub in einer Ferienwohnung, im Wohnmobil und ggf. auch im Hotel ohne Restaurantnutzung zumindest für die Menschen aus dem eigenen Bundesland wäre absolut sachgerecht und angemessen gewesen.
Denn nicht der Inlandstourismus sei der Infektionstreiber gewesen, das habe die Expertenanhörung des Landtages eindeutig bestätigt. Deshalb sei es richtig von Daniel Günther gewesen, sich für den Osterurlaub im eigenen Land einzusetzen.
Leider komme es jetzt nicht so. Die Mehrheit der Ministerpräsidenten und die Bundesregierung hätten diese Position nicht geteilt. Und nach einer solch kontroversen Debatte, die die Verhandlungen an den Rand des Scheiterns gebracht habe, verbiete sich anschließend auch ein Alleingang eines Bundeslandes.
Koch abschließend: „Die Corona-Krise werden wir in Deutschland nur gemeinsam meistern. Genauso wie wir von anderen Bundesländern erwarten, dass sie sich an die getroffenen Beschlüsse halten, so gilt das dann umgekehrt auch für uns – selbst dann, wenn die Infektionszahlen in Schleswig-Holstein vergleichsweise gering sind und unsere Position deshalb gut begründet war.
Mit der Möglichkeit in ausgewählten Regionen Modellprojekte aufzusetzen, haben wir nach Ostern die Chance zu beweisen, dass unser Konzept für einen kontaktarmen Tourismus funktioniert. Urlaub in Schleswig-Holstein mit negativem Testergebnis und elektronischer Kontaktnachverfolgung mittels App lässt sich sicher gestalten, davon bin ich fest überzeugt.
Bei allem Interesse aus dieser Krise politisches Kapital zu schlagen, sollten wir aber deshalb kein Zerrbild der deutschen Politik zeichnen, das dazu geeignet ist, das Vertrauen in unsere Demokratie grundlegend zu gefährden. In dieser Hinsicht tragen Regierung und Opposition gleichermaßen Verantwortung.
Vor allem dürfen wir aber unsere Hoffnung und Zuversicht nicht verlieren, denn mit Missmut und Kritik allein werden wir diese Krise garantiert nicht bewältigen.“