CDU wirft SPD-Regierung unerlaubte Wahlwerbung vor
Mehrere Ministerbriefe sorgen für Wirbel in Kiel
Betreibt die SPD Wahlkampf aus dem Regierungsapparat? Darüber wird seit gestern im Land diskutiert. Stein des Anstoßes sind mehrere Schreiben von SPD-Ministern und des Ministerpräsidenten. Gestern lud die CDU-Fraktion zu einem Pressegespräch, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Wir können uns das als Opposition nicht länger bieten lassen“, erklärte Fraktionschef Günther und forderte 100.000 Euro von der SPD zurück. In der kommenden und letzten Landtagssitzung für diese Legislaturperiode will die Union das Thema auf die Tagesordnung setzen. Konkret geht es um ein Schreiben von Bildungsministerin Ernst an Schüler, Lehrer und Eltern, ein Schreiben im Intranet von Innenminister Studt an die Polizeibeamten sowie um ein Schreiben des Ministerpräsidenten zum Landesentwicklungsplan.
Der Kieler Verfassungsrechtler Florian Becker sieht die Vorgänge ebenfalls kritisch. „Das ist mindestens grenzwertig, wenn es nicht darüber hinausgeht», sagte Becker der dpa. Je näher ein Wahltermin rücke, umso mehr müsse sich die Regierung zurückhalten, gebe das Bundesverfassungsgericht vor. Darum herrsche in den Monaten vor der Wahl das «Gebot äußerster Zurückhaltung». Unterdessen hat die FDP den Landesrechnungshof um eine Prüfung gebeten.
Bereits vor wenigen Monaten war die SPD-Regierung in Kritik geraten, weil der Ministerpräsident nach der Verabschiedung des umstrittenen Kita-Geldes in einem Brief an Eltern dafür warb. Allein das Porto für den Rundbrief an 68.000 Haushalte kostete knapp 33.000 Euro. Hinzu kamen Kosten für Druck und Personal. Aufregung hatte es auch um einen Werbefilm des Ministerpräsidenten gegeben, der den Steuerzahler knapp 11.000 Euro gekostet hat.