Aufforstung muss sich auch wirtschaftlich rechnen
Einführung von Wald-Zertifikaten sinnvoll
Zwei private Beispiele würden zeigen, wie populär das Thema Neuwaldbildung gegenwärtig ist, so Tobias Koch in seiner Rede heute im Landtag, und nennt die Tankstellenkette Willer, die in Dithmarschen 23 Hektar Wald pflanzt und eine Privatperson, die sich auf 5 Hektar Land für die Umwandlung in Wald entschieden hat.
Beide Beispiele verbinde, dass zunächst einmal viel Geld in die Hand genommen werden müsse, um die jeweiligen Flächen zu erwerben. In beiden Fällen würden die unmittelbar anfallenden Erstaufforstungskosten mit Geldern der Gemeinschaftsaufgabe öffentlich gefördert – und zwar bis zu 100% netto. Anschließend sei mit den neu aufgeforsteten Waldflächen in den nächsten Jahrzehnten aber kein einziger Cent zu verdienen. Und anders als vor der Aufforstung würden für diese Flächen auch keine EU-Landwirtschaftsprämien mehr gezahlt. Stattdessen fielen Kosten für den laufenden Unterhalt und die Pflege der Aufforstungsflächen an.
„Und genau an dieser Stelle setzt der Antrag von CDU, Grünen und FDP an. Wir wollen damit erreichen, dass nach erfolgter Neuwaldbildung für die nächsten 10 bis 20 Jahre eine Nutzungsausfallprämie gezahlt wird, die den Wegfall der Einnahmen aus der bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung kompensiert. Wenn wir diesen Baustein an öffentlicher Förderung hinzufügen, dann wird Aufforstung gerade für Grundstückseigentümer interessant, die also bereits über die Flächen verfügen und nicht erst für deren Ankauf viel Geld investieren müssen“, so Koch weiter.
Der Weg dahin: Die Flächeninhaber könnten mit der Erstaufforstungsprämie aus GAK-Mitteln neuen Wald anpflanzen und bekämen anschließend mit der Nutzungsausfallprämie auch eine Entschädigung für die folgenden Jahre - immerhin kein reines Zuschussgeschäft mehr.
Genau das führe nämlich heute dazu, dass die Erstaufforstungsmittel so gut wie gar nicht in Anspruch genommen werden.
Für das Land sei das auf jeden Fall der günstigste Weg, um das Ziel von 12% Wald-fläche in Schleswig-Holstein zu erreichen.
Koch: „Für die Neuwaldbildung durch unsere Landesforsten haben wir die Haushaltsmittel in diesem Jahr kräftig aufgestockt: Ausgehend von einem in den letzten Jahren nur vorhandenen Erinnerungsposten über 50 TEUR jährlich, haben wir zunächst mit dem Haushalt 2021 weitere 250 TEUR und mit dem 1. Nachtragshaushalt dann sogar noch einmal 2 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.
Aber auch mit diesen insgesamt 2,3 Mio. Euro lassen sich gerade mal so 50 Hektar aufforsten, weil der größte Teil des Geldes von den Landesforsten zunächst einmal für den Grundstücksankauf eingesetzt werden muss.“
Mit einer Nutzungsausfallprämie, die die Neuwaldbildung auf vorhandenen Flächen fördere, lasse sich dagegen ein rund 4 bis 5 Mal so starker Effekt erzielen, weil diese Gelder vollständig der Erstaufforstung zugutekämen statt sie für Grundstückankäufe einzusetzen.
Idealerweise werde zu den beiden Förderbausteinen „Erstaufforstungsprämie“ und „Nutzungsausfallprämie“ noch ein dritter Baustein hinzukommen, nämlich eine Förderung durch den Verkauf von Wald-Zertifikaten oder durch private Spenden.
„Deshalb habe der Landtag auf Antrag der Koalition bereits im Januar die Landesregierung gebeten, hierfür geeignete Instrumente und Konzepte zu entwickeln. Wir führen damit neben dem vorhandenen Verwaltungsrat eine Gewährträgerversammlung ein. Während der Verwaltungsrat die Rolle eines Kontrollgremiums besitzt, das vergleichbar mit einem Aufsichtsrat die laufende Geschäftstätigkeit überwacht, dient die Gewährträgerver-sammlung wie eine Hauptversammlung der grundlegenden Steuerung durch die Eigentümer“, so Koch abschließend.