Landtag diskutiert erneut über NS-Vergangenheit
CDU: Es hat ein moralisches Dilemma gegeben, aber auch erhebliche Integrationsleistungen
Der Landtag hat sich heute erneut mit der NS-Vergangenheit schleswig-holsteinischer Nachkriegspolitiker auseinandergesetzt und in einer Plenardebatte über die Forschungsergebnisse des Instituts für Zeit- und Regionalgeschichte der Universität Flensburg diskutiert.
Ende 2013 hatte das Parlament beschlossen, die Vergangenheit früherer Landespolitiker überprüfen zu lassen und dafür 100.000 Euro bereitgestellt. Das Forscherteam um Prof. Uwe Danker hatte 389 Biografien von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern durchleuchtet. Dabei fanden Sie heraus, dass bis 1971 fast jeder zweite Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtages ein ehemaliges NSDAP-Mitglied war. Damit sei der Norden im Vergleich zu anderen Ländern „ein Extremfall“ gewesen.
Das unterstrich auch der CDU-Abgeordnete und promovierte Historiker, Dr. Axel Bernstein, in seiner Landtagsrede. „In Schleswig-Holstein haben besonders viele mit NS-Vergangenheit eine Rolle im öffentlichen Leben der Nachkriegszeit gespielt.“ Das Land sei aber nicht von «braunen Cliquen» regiert worden. Diese Erkenntnis habe die Studie auch hervorgebracht. Vielmehr habe eine Elite versucht, sich in der jungen Bundesrepublik Karrieren zu erarbeiten. Hier habe es ein moralisches Dilemma gegeben, aber auch erhebliche Integrationsleistungen von Institutionen und Parteien, so Dr. Bernstein.