CDU will Verkehrsminister Meyer die Zuständigkeit für die Planung der Fehmarnbeltquerung entziehen
Brandbrief aus Dänemark an Bundesverkehrsminister Dobrindt
Kabinettsmitglieder befreundeter Nationen halten sich mit öffentlicher Kritik am Regierungshandeln üblicherweise zurück. Deshalb sorgte in dieser Woche ein Brief des dänischen Verkehrsministers Ole Birk Olesen an seinen deutschen Kollegen Alexander Dobrindt für erhebliche Aufregung. Olesen kritisierte in ungewohnt deutlichen Worten das Planungsverfahren für den Fehmarnbelt-Tunnel in Schleswig-Holstein. Weitere Verzögerungen ließen ernste Zweifel an den Fähigkeiten der Landesbehörden aufkommen, den Staatsvertrag umzusetzen. Die anhaltende Ungewissheit im Hinblick auf das deutsche Genehmigungsverfahren könne das gesamte Projekt gefährden.
Immer wieder war es in der Vergangenheit zu Verzögerungen auf schleswig-holsteinischer Seite gekommen, die bereits zu deutlichen Kostensteigerungen des von Dänemark finanzierten Projektes geführt haben. Bislang hatte sich die dänische Seite immer mit öffentlicher Kritik zurückgehalten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Günther forderte angesichts der deutlichen Kritik Ministerpräsident Albig auf, seinen Verkehrsminister von der Planungsverantwortung zu entbinden und diese der DEGES zu übertragen.
"Dänemark hat offenbar das Vertrauen in die schleswig-holsteinische Regierung verloren. Der Brief des dänischen Transportministers ist ein dramatischer Hilferuf. Die Formulierung derart offener Kritik ist zwischen befreundeten Staaten unüblich und zeigt, wie groß der Vertrauensverlust auf dänischer Seite sein muss. Die Dänen glauben offenbar nicht mehr an die Fähigkeit der hiesigen Landesregierung, dieses Projekt umzusetzen“, betonte Günther.
Verkehrsminister Meyer trage die Hauptverantwortung für die gravierenden Planungsverzögerungen auf schleswig-holsteinischer Seite. Er bringe das gesamte Projekt in Gefahr. Anders als Meyer habe die DEGES gezeigt, dass sie große Verkehrsprojekte – wie den Ausbau der A7 - erfolgreich planen und umsetzen könne.
Albig müsse jetzt ein klares Signal für das Jahrhundertprojekt setzen. Denn schließlich lehnten Teile von Albigs Regierungskoalition dieses wichtige Projekt bis heute ab. „Das ist auch ein Grund dafür, dass Meyer keine ausreichenden Planungskapazitäten hat“, unterstrich Günther.
Albig äußerte sich zu dieser Forderung nicht, anders als der Grüne Verkehrspolitiker Andreas Tietze. Er vermutete, dass die dänische Seite erkenne, „wie realitätsfremd dieses Projekt ist“ und nun jemanden suche, dem „sie die Schuld in die Schuhe schieben können.“