Es ist 20 Uhr Ortszeit, als das Flugzeug auf der Landebahn des russischen Flughafens Woronesch, 490 Kilometer südlich von Moskau, aufsetzt. An Bord: 18 Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion sowie zwei Mitarbeiter. Es ist dunkel, und es liegt Schnee: Winteranfang in Russland, pünktlich zum Besuch der deutschen Delegation.
Die Fraktion folgt der Einladung von Alexej Gordejew, seit 2009 Gouverneur der Region, der im Juli Kiel besucht hatte. Von 1999 bis 2009 war er Landwirtschaftsminister der Russischen Föderation, und in dieser Funktion kam der Kontakt zum damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und somit auch zum Land Schleswig-Holstein zustande.
Mindestens so lange gibt es wirtschaftliche Kontakte zwischen den Ländern. Diese waren auch der Hintergrund des Gegenbesuches in Russland, und so begleitete Dr. Thomas Overbeck, Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbundes, die Delegation. Ebenso dabei: Thomas Huber, deutscher Botschafter aus Moskau.
Einer, der die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten in Woronesch frühzeitig erkannte, ist der deutschstämmige Stefan Dürr, der 1989 im Alter von 25 Jahren das Experiment wagte, dort unternehmerisch tätig zu werden. Statt den Acker seines Großvaters im Odenwald zu übernehmen, wagte er den Schritt in die russische Großlandwirtschaft. Heute ist er Herr über 130 000 Hektar Ackerfläche und zehntausende Kühe, ist der größte Milchlieferant Russlands und gehört mit seinen Firmen EkoNivaAgro und EkoSemAgrar zu den TOP 30-Unternehmen im Bereich Landwirtschaft.
Verbindungen nach Deutschland gibt es auch über fleischverarbeitende Betriebe wie zum Beispiel das Agrarunternehmen Zaretschnoje oder den Röhrenproduzenten Liski Montage Konstruktionen. Die schleswig-holsteinische Delegation konnte sich dort jeweils einen guten Einblick verschaffen.
Nach gemeinsamen Sitzungen mit dortigen politischen Vertretern zu den Themen Wirtschaft, Kultur und Recht besuchte die Delegation das noch zu restaurierende Schloss der Prinzessin von Oldenburg in Ramon und bekam Eindrücke von Vorzeigeeinrichtungen wie Kindergärten, eine Schule und ein Krankenhaus.
Den Toten auf beiden Seiten im Zweiten Weltkrieg wurde gemeinsam gedacht und Blumen an einem Mahnmal nahe des Dons niedergelegt.
Höhepunkt war sicherlich der Empfang durch den Gouverneur im großen Saal des Parlamentsgebäudes in Woronesch.
Eindrucksvoll empfanden die Schleswig-Holsteiner die Gastfreundschaft, Großzügigkeit und Herzlichkeit von russischer Seite. Und vielleicht auch ein wenig Erleichterung, dass die deutsch-russische Freundschaft trotz politischer Eiszeit wegen der Ukraine-Problematik nicht ganz verloren gegangen ist.
„Es ist besser, miteinander zu reden als übereinander“, beschrieb Hans-Jörn Arp treffend die Situation.