Frühe Sprachförderung für bessere Bildungschancen

Die frühzeitige Förderung von Kindern stand im Mittelpunkt des jüngsten FördeForums der CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein. Unter dem Titel „Entwicklungsfokus Viereinhalb – EVi“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Kitas, Schulen, Kommunen, Verbänden und Politik darüber, wie sprachliche Entwicklungsbedarfe rechtzeitig erkannt und Kinder bereits vor der Einschulung gezielt unterstützt werden können.

In seiner Begrüßungsrede verwies der Fraktionsvorsitzende Tobias Koch zunächst auf die Herausforderungen, vor denen das Bildungssystem steht. Sprachförderung habe durch Zuwanderung erheblich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig unterschieden sich die Voraussetzungen, die Kinder aus ihren Elternhäusern mitbringen, zum Teil deutlich. Die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie seien deshalb ein ernstes Warnsignal und mahnten dazu, bei der Verbesserung der Bildungschancen nicht nachzulassen.

„Sprache ist der Schlüssel zur Bildung. Wer bei der Einschulung kaum Deutsch spricht, muss gleichzeitig die Sprache lernen und dem Unterricht folgen. Das erschwert den Start in die Schule und kann sich über Jahre auf den weiteren Bildungsweg auswirken“, machte Koch deutlich.

Mit EVi setzt Schleswig-Holstein deshalb früher an als bisher. Das Verfahren nimmt ausdrücklich auch alle Kinder in den Blick, die vor ihrer Einschulung keine Kindertagesstätte besuchen. Das betrifft etwa acht Prozent eines Jahrgangs. Für die CDU-Landtagsfraktion ist dies ein entscheidender Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit. Denn der Bildungserfolg eines Kindes darf nicht von seiner Herkunft oder seinem sozialen Umfeld abhängen.

EVi sieht vor, die sprachlichen Kompetenzen aller Kinder rund eineinhalb Jahre vor ihrer Einschulung verbindlich zu erfassen. Wird ein erheblicher Unterstützungsbedarf festgestellt, schließt sich noch vor dem Schulbeginn eine intensive und verpflichtende Sprachförderung an. „Je früher wir Unterschiede bei den Voraussetzungen erkennen und gezielt gegensteuern, desto größer sind die Chancen, dass Kinder ihren Bildungsweg erfolgreich gehen können“, betonte Koch.

In ihrem anschließenden Impulsvortrag stellte Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke die einzelnen Schritte des EVi-Verfahrens vor. Zunächst erfassen die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas den Entwicklungsstand der viereinhalbjährigen Kinder nach einem einheitlichen Standard. Neben Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis werden dabei auch überfachliche Bereiche wie Sozial- und Ich-Kompetenz, Motorik, Musik, Kunst, Naturwissenschaften und Mathematik betrachtet.

Die Ergebnisse werden mit den Eltern besprochen und können mit deren Zustimmung an die kooperierende Grundschule übermittelt werden. Dort erfolgt bei Bedarf eine weitere Sprachstandserhebung. Kita und Schule beraten anschließend gemeinsam über den möglichen Unterstützungsbedarf und beziehen die Eltern eng in das weitere Vorgehen ein.

Bei einem geringen oder normalen Förderbedarf wird die Sprachentwicklung weiterhin in den Alltag der Kita integriert, beispielsweise durch Vorlesen, Sprachspiele und Gespräche. Wird hingegen ein erheblicher Bedarf festgestellt, erhalten die Kinder zusätzlich eine intensive Sprachförderung in der Verantwortung der Grundschule.

„Durch die verbindliche Einschätzung der sprachlichen Kompetenzen rund eineinhalb Jahre vor der Einschulung gewinnen wir an Zeit, um eventuell nötige Förderung gezielt auf den Weg zu bringen. So können wir für jedes Kind einen guten Einstieg in die Grundschule gestalten“, erklärte Stenke.

Ziel ist ein landesweit einheitliches Verfahren in rund 1.800 Kindertageseinrichtungen und 400 Grundschulen. EVi wird dafür schrittweise ausgeweitet. Nachdem im Schuljahr 2025/26 zunächst zehn Startchancen-Grundschulen und elf kooperierende Kitas teilgenommen hatten, startete im Frühjahr 2026 die zweite Phase mit 55 Kitas und 38 Grundschulen. Ab dem Kita- und Schuljahr 2027/28 werden alle Startchancen-Grundschulen und die kooperierenden Kindertageseinrichtungen einbezogen. Ab 2028 erfassen die Grundschulen verbindlich den Sprachstand aller Kinder, die im Schuljahr 2029/30 eingeschult werden.

Im Anschluss an den Impulsvortrag folgte eine Podiumsdiskussion, die von der familien- und sozialpolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Dagmar Hildebrand, moderiert wurde. Gemeinsam mit Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke diskutierten Ann-Kristin Lorenz-Kaddour, Grundschulkoordinatorin an der Heinrich-Mann-Schule Lübeck, Jenniffer Wiese, Leiterin einer Kindertagesstätte des Evangelisch-Lutherischen Kitawerks, und Stefan Beeg, Schulrat der Hansestadt Lübeck.

Im Mittelpunkt standen insbesondere die praktische Umsetzung des Verfahrens, die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen sowie die Frage, wie die zusätzliche Sprachförderung gut in die bestehenden Strukturen integriert werden kann. Dabei wurde deutlich, wie wichtig ein verlässlicher Austausch zwischen allen Beteiligten ist. Denn EVi kann nur dann erfolgreich sein, wenn Kitas, Schulen, Eltern und die zuständigen Stellen eng zusammenarbeiten und die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen.

Auch die Gäste nutzten die anschließende Fragerunde, um ihre Erfahrungen aus der Praxis einzubringen und einzelne Aspekte des Verfahrens mit den Teilnehmenden auf dem Podium zu diskutieren. Die Fragen und Anregungen aus dem Publikum zeigten das große Interesse an einer gelingenden Umsetzung und an einer frühzeitigen, verlässlichen Unterstützung der Kinder.

Die Seitensuche ist vorübergehend nicht verfügbar.
Die Pressesuche ist vorübergehend nicht verfügbar. Zum Pressearchiv.