Anette Röttger

Anette Röttger
Kultur, Verbraucherschutz, Hochschule

Lebensmittel | | Nr. 339/20

TOP 18: Lebensmittel müssen ihren alten Stellenwert zurückerhalten

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer das Landeshaus betritt, kommt seit heute an der Erntekrone nicht vorbei. Die Mitglieder der Landjugend haben sie gestern gebracht und lenken unseren Blick noch mal mehr auf den langen Weg von der Aussaat bis zur Ernte und auf die Wertschätzung für unser täglich Brot. Erntedank und unser Umgang mit Lebensmitteln gehören untrennbar zusammen. Aber wer von uns erntet noch?

Der Corona lockdown hat uns für eine gute Vorratshaltung sensibilisiert und so manches Hochbeet hervorgebracht. Es bleibt zu wünschen, dass damit in unseren Haushalten eine neue Wertschätzung gegenüber unseren Lebensmitteln stattgefunden hat.

Im Lebensmittelhandel sind die Regale rund um die Uhr gut gefüllt und auch hier hat Corona nur kleine Momente des Schreckens ausgelöst, bis wieder deutlich wurde: Unsere Ernährung ist mehr als gesichert.

Leider haben wir uns mit zunehmendem Wohlstand zu einer Wegwerfgesellschaft entwickelt, die achtlos konsumiert und dies gilt auch für Lebensmittel. Der Blick auf unser Verteilungsproblem und den Hunger in der Welt ist vielen inzwischen verloren gegangen. Das kann so nicht bleiben.

Gerade beteiligt sich Schleswig-Holstein an den bundesweiten Aktionswochen gegen die Lebensmittelverschwendung und auch hier im Landtag gehört das Thema alljährlich auf die Tagesordnung. Das ist gut so. 

Trotz aller Appelle landen in Deutschland jährlich fast 13 Millionen Tonnen Essen im Müll. Das hat eine repräsentative Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums aus dem vergangenen Jahr ergeben. Umgerechnet wirft jeder Bundesbürger im Schnitt 75 kg Lebensmittel pro Jahr weg.

Mehr als die Hälfte der vermeidbar weggeworfenen Lebensmittel werden von Privathaushalten entsorgt. Diese hohen Zahlen haben dazu geführt, dass sich Deutschland im Rahmen der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen dazu bekannt hat, die Lebensmittelverschwendung um 50 % zu reduzieren.

Wir brauchen dringend geeignete Konzepte, um nicht verkaufte Lebensmittel möglichst unkompliziert und unbürokratisch an Dritte abzugeben. Das fordern wir mit diesem Antrag.

Tafelkonzepte gibt es schon, sie sind aber dann ausbaufähig, wenn bürokratische Hürden durch vereinfachte Lieferscheinverfahren abgebaut werden.

Bei Lebensmittelspenden und bei Initiativen, die sich um die Weitergabe an Bedürftige kümmern, sind Haftungsfragen in Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit zu klären.

Auch die Lebensmittelhändler brauchen Anreize für die Weitergabe von nicht verkauften Lebensmitteln und dafür geeignete und verlässliche Partner. Nur so wird verhindert, dass überschüssige Lebensmittel im Müllcontainer landen.

Aber ich sage auch ganz deutlich, wir haben hier bei uns sehr hohe Standards für die Lebensmittelsicherheit und die Produktqualität. Der gesundheitliche Verbraucherschutz ist ein hohes Gut. Das soll so bleiben und darf bei allen Bestrebungen um die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung nicht verloren gehen.

Daher haben wir auch eine klare Haltung gegenüber der mit dem SSW Antrag geforderten Bundesratsinitiative das Einsammeln weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern straffrei zu stellen. Wir lehnen das Containern klar ab und sehen darin weder einen richtigen Ansatz, um der Lebensmittelverschwendung wirksam zu begegnen, noch einen juristischen Handlungsbedarf. Straf- und zivilrechtlich ist dazu bereits alles gut geregelt.

Mit Blick auf die hohe Lebensmittelverschwendung in den Privathaushalten brauchen wir ebenfalls geeignete Antworten.

Während es für unsere Eltern und Großeltern ein klares – wenn auch ungeschriebenes Gesetz galt - Mit Essen spielt man nicht und Essen gehört nicht in den Müll – ist heute Verbraucherbildung erforderlich.

In einer Zeit des Wohlstandes brauchen wir eine Strategie, um der Lebensmittelverschwendung wirksam zu begegnen.

Bewusstes Einkaufen kann man lernen, man muss es aber auch wollen und umsetzen. Erst wenn sich aus der Aufklärung eine Verhaltensänderung entwickelt hat, hat die Verbraucherbildung ihr Ziel erreicht und davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt.

Sie haben Fragen zu diesem Artikel? Sprechen Sie uns an:


Kai Pörksen (Pressesprecher)
Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel
Telefon: 0431/988-1440

http://www.cdu.ltsh.de

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